Presse - Artikel 1










 
Exklusives Training in einer anderen Welt...
Personal Training auf der MS Europa

Von August bis November 2003 hatte ich die Gelegenheit für drei Monate an Bord der MS Europa als Personal Trainer zu arbeiten. Zwar habe ich schon längere Zeit im Ausland gelebt und gearbeitet, doch war es für mich das erste Mal als Personal Trainer auf einem Schiff.

Mein bisheriges Bild von Kreuzfahrtschiffen schwankte zwischen dem „Traumschiff“ und den amerikanischen „Bettenburgen auf See“, die vorwiegend die Karibik unsicher machen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die MS Europa meine Erwartungen bei weitem übertroffen hat. Es fehlt mir wie erwähnt der direkte Vergleich, dennoch denke ich, dass die erneut vergebene Bestnote „5 Sterne plus“ des Kreuzfahrtführers „Berlitz“ gewiss angemessen ist.

Ich wurde an Bord als „Künstler“ eingestuft, ebenso wie der Lektor, das Tanzpaar, die Musiker und viele Andere, deren Aufgabe insgesamt darin bestand, die Gäste in jeder erdenklichen Form zu unterhalten. Untergebracht war ich in einer Offizierskabine, die zu meiner vollsten Zufriedenheit ausgestattet war: Internet, Fernseher, Duschkabine, Schreibtisch,... Meine Mahlzeiten konnte ich mit den Gästen in den verschiedenen Restaurants einnehmen und mich auch ansonsten frei an Bord bewegen.

Meistens begann der Tag mit einem Kurs um 08.00 Uhr, dessen Inhalt täglich wechselte – Body Shaping, Pilates, Yoga, Wirbelsäulengymnastik, Stretching. Ein weiterer Kurs fand oft um 16.00 Uhr statt, abhängig davon ob wir auf See waren oder im Hafen lagen. Da das Angebot für die Gäste immer sehr umfangreich ist und sich gerade auf meiner Reise viele Landtage befanden, fand das Personal Training zu den unterschiedlichsten Zeiten zwischen 9.00 Uhr morgens und 18.00 Uhr abends statt.

Der Kontakt zu den Gästen ließ sich auf vielen Ebenen herstellen: Zu Beginn jeder Reise werden die einzelnen Künstler von dem Moderator im Bordfernsehen live interviewt, das Trainingsangebot ist im bordeigenen Intranet abrufbar und es finden regelmäßig Beratungsstunden statt, in denen die Gäste sich individuell informieren können. Zusätzlich habe ich einen Flyer erstellt der zu Beginn jeder Reise auf allen Suiten verteilt wurde und das Interesse am Training deutlich erhöhte. Einmal pro Reise habe ich zudem einen Power Point Vortrag „Fitness mit Verstand“ gehalten. Alles zusammen und natürlich der ständige Kontakt mit den Gästen wie etwa beim Essen hat ein hohes Interesse bei den Kunden für das Thema Personal Training geweckt. Da der Großteil der Gäste ein fortgeschrittenes Alter vorzuweisen hat, spielen Vorerkrankungen als Einflussgröße auf das Training eine große Rolle. Von Vorteil ist allerdings, dass die Gäste meist sehr gut über ihre gesundheitlichen Probleme Bescheid wissen und vor allen Dingen eine sehr hohe Trainingsmotivation mitbringen. Viele Gäste verfügen privat über eine beachtliche Infrastruktur, angefangen vom eigenen Schwimmbad bis hin zum eigenen Fitness Studio und viele sind auch schon seit Jahren aktiv. Die Hauptaufgabe war es somit das Training zu modifizieren und das zum Teil beachtliche Vorwissen zu strukturieren.

Eine besondere Freude war es selbstverständlich auch, wenn sich ein neuer Gast vorstellte, der „noch nie“ Sport gemacht hat, es aber jetzt im hohen Alter doch gerne noch einmal versuchen wollte. Das Training fand entweder im bordeigenen Studio, im Pool oder manchmal auch an Land statt, z.B. beim Walken am Strand.

Insgesamt wurde an Bord sehr viel Wert auf Umgangsformen und angemessene Kleidung gelegt, so wie es sich für ein „Traumschiff“ gehört. Das Tagesprogramm informierte über alle wesentlichen Dinge: die Veranstaltungen, Ausflüge, das Essen, den „Kleidungsvorschlag“ und vieles mehr. Um am Weltgeschehen auch auf See teilnehmen zu können wurde jede Nacht eine Zusammenfassung der „Süddeutschen“ und der „Die Welt“ per Satellit empfangen und frisch gedruckt.

Erwähnenswert sind vor allem die Abende, die mit Programmen der Spitzenklasse gefüllt waren: ein Musical Abend mit Deborah Sasson, eine Tanzshow mit dem MDR Fernsehballett, ein Kabarett oder ein klassisches Konzert mit dem Münchner Kammerorchester – es ist immer für jeden Geschmack etwas dabei.

Die meisten Gäste an Bord sind "repeater", sprich Stammgäste von denen einige in Ihrem Kreuzfahrttagebuch über 1000 Reisetage eingetragen haben – mehr als ein Großteil der Crew vorzuweisen hat. Das Leben und Arbeiten an Bord war für mich also eine völlig neue Erfahrung, die ich auch jederzeit gerne erweitern möchte. Zusammenfassend war es eine sehr schöne und interessante Zeit, während der ich viele neue Eindrücke gewonnen habe.

Text: Markus Klingenberg, Personal Trainer und freier Autor für Personalfitness.de
Fotos: Markus Klingenberg, Hapag Lloyd


Quelle: Personalfitness.de

 
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